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Zwei wichtige Gesetze des User Interface Design

Hinter der Wahrnehmung eines User Interfaces steckt viel Psychologie. Wir zeigen Ihnen zwei der wichtigsten Gesetze, die einen starken Einfluss auf User Interface Design und somit Webdesign haben.
 
Stage Image: 

Hick's Law

Mit dem Hickschen Gesetz wird der Zusammenhang zwischen Entscheidungszeit und der Anzahl Auswahlmöglichkeiten beschrieben. Wenn ein Mensch Auswahlmöglichkeiten hat, findet die Selektion nicht einzeln von der ersten bis zur letzten Möglichkeit statt. In diesem Fall wäre die benötigte Zeit linear. Der Mensch eliminiert von Beginn weg bei jeder Entscheidung ungefähr die Hälfte der Auswahl und nimmt somit laufend eine Unterteilung der Auswahlmöglichkeiten vor.
Auch auf einer Webseite werden Nutzer immer wieder mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten konfrontiert:

  • Punkte in der Hauptnavigation
  • Produktangebote
  • Buttons am Ende eines Formulars

Für Webdesigner gilt nun somit, dass die Anzahl Auswahlmöglichkeiten immer genau bedacht werden sollte. Im Folgenden sehen Sie Beispiele, wie Nutzer mit zu viel Auswahl konfrontiert werden können.

https://www.interaction-design.org/literature/article/hick-s-law-making-..., 20.10.2016

Wie soll der Restaurant-Besucher sich entscheiden können, welche der 500 Pizzen er nehmen soll? Bei jeder einzelnen Wahl wird er eine gewisse Reue haben, da eine der anderen 499 Pizzen mit Bestimmtheit die bessere Wahl gewesen wäre. Ausserdem benötigt der Besucher sehr lange, um sich mit der Auswahl auseinander zu setzen und sich zu entscheiden.

Während sich der Nutzer bei der relativ neuen Migros-Webseite zwischen ungefähr drei Möglichkeiten entscheiden muss (Metanavigation, Hauptnavigation, wechselnde Hauptangebote), wird er bei der neuen Coop-Webseite nebst den einfach zu entscheidenden Möglichkeiten (Metanavigation, Hauptnavigation, wechselnde Hauptangebote) gleich noch mit einem komplexen Bereich "Standorte & Öffnungszeiten" und den sehr detailreichen Supermarkt-Aktionen konfrontiert. Es wird dem Nutzer damit schwieriger gemacht, direkt in den gewünschten Bereich einzusteigen.

Startseite von www.migros.ch, 20.10.2016

 

Startseite von www.coop.ch, 20.10.2016

 

In eine ähnliche Richtung wie das Hicksche Gesetz zielt auch das Gesetz von Miller: Es besagt, dass ein Mensch nur 7 (+/- 2) Dinge im Arbeitsgedächtnis behalten und gleichzeitig verarbeiten kann. Eine Hauptnavigation oder ein Anzahl von Tabs sollte also grundsätzlich nur maximal 7 Elemente beinhalten, damit Nutzer sicher und schnell entscheiden können.
Dazu ist aber zu erwähnen, dass mit einer guten visuellen Präsentation des graphischen User Interfaces dem Nutzer auch viel Arbeit abgenommen werden kann. Beispielsweise gibt es die Möglichkeit, eine Navigation von zwölf Punkten in drei logische Gruppen mit je vier Navigationspunkten zu unterteilen und visuell entsprechend zu kommunizieren. Nutzer stehen somit zuerst vor der Entscheidung, sich für eine der drei Gruppen zu entscheiden. Anschliessend müssen sie sich nur noch zwischen vier Navigationspunkten entscheiden. Ein Ablauf, der also auch mit dem Gesetz von Miller konform ist.

Fitts' Law

Fitts' Gesetz beschreibt, dass die Zeit um eine Zielfläche zu erreichen, eine Funktion der Distanz zum Ziel und der Grösse der Zielfläche ist.

  • Ist ein Ziel weiter weg, braucht man länger um es zu erreichen
  • Ist eine Zielfläche kleiner, braucht man länger um sie zu erreichen (bzw. anzuklicken)

Obwohl Paul Fitts das Gesetz in Bezug auf die physische Bewegung entwickelt hat, hat es auch bei der graphischen Oberfläche, also am Computer, seine Gültigkeit.

Achtet man sich einmal darauf, sieht man, wie viel Einfluss dieses Gesetz auf die Gestaltung von User Interfaces hat. Einige Beispiele dazu:

www.evernote.com, 21.10.2016

Es fällt bei der Evernote-Startseite auf, dass der allerwichtigste Button (die Anmeldung) grossflächig und farblich auffällig gestaltet und zentral platziert wurde. Somit fällt es dem Nutzer einfacher, den Button zu drücken.

 

 

Kontextmenüs haben den Vorteil, dass der Nutzer seine Maus nur minimal weg von der ursprünglichen Klickposition bewegen muss, um die nächste Aktion auszuwählen. Der Weg zum Ziel ist kurz, die Zeit zwischen zwei Aktionen wird reduziert. Bei Kontextmenüs kann man sich allenfalls darüber streiten, ob die Zielflächen zu klein sind. Oftmals passiert es, dass man die Aktion oben- oder untendran aus Versehen anwählt.

In Zusammenhang mit dem Gesetz von Fitts wurde auch herausgefunden, dass Ziele in einer Ecke oder am Rand sehr viel schneller zu erreichen sind als Ziele, die sich fast zufällig in Mitten eines Raumes befinden. Ein gutes Beispiel dafür ist der berühmte Start-Button bzw. das Windows-Icon ab Windows 7, welches immer unten links platziert ist. Nutzer erreichen so in sehr kurzer Zeit den allerwichtigsten Button des Windows-Betriebssystems.

https://webdesign.tutsplus.com/articles/applying-fitts-law-to-mobile-interface-design--webdesign-6919, 21.10.2016

Design ist auch Psychologie

Wie Sie sehen, sind beim Design eines funktionierenden User Interfaces eine schöne Farbpalette, die angesagteste Schriftart oder die tollsten Bilder nur winzige Teile des Gesamten. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Sie das Gedächtnis des Users nicht überfordern, sollten Sie unbedingt die Anwendung von Gesetzen wie dasjenige von Hicks, Miller oder Fitts in Betracht ziehen. Wenn Sie für Ihre Webseite Feedbacks wie "Es ist zu kompliziert" oder "Ich finde mich nicht zurecht" erhalten, dann ist die Chance gross, dass Sie eines der grundsätzlichsten User-Interface-Gesetze missachtet haben.

Falls Sie Ihre Webseite einem Designexperten-Review oder einem Nutzertest unterziehen möchten, helfen wir Ihnen gerne weiter. Sehen Sie sich ausserdem unsere Einführung in das Thema User Experience an.

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